Portrait:

Sr. Gisela


Es sind 60 Jahre her, dass ich eines Sonntags im Kindergottesdienst einem alten weißhaarigen Kameruner Pfarrer begegnete. Er schaute uns so freundlich mit seinen leuchtenden Augen an. Gespannt saßen wir da. Tatsächlich, er erzählte uns von seinem Heimatland, von dem großen Wald, der so undurchdringlich sei, dass man da nicht mal spazieren gehen könne. Pastor Paul Njocky erzählte aber auch von vielen Menschen, die noch nie von Jesus gehört hätten. Zum Schluss sang er uns noch mit seiner vollen Männerstimme: „O Tannenbaum“ vor, das habe er damals (vor 1916) in der Schule gelernt.
Er beeindruckte mich zutiefst und als ich später einmal in einer Kinderzeitschrift las, dass in einer Unistadt Studenten aus Afrika kein Zimmer vermietet bekamen, nur weil sie dunkelhäutig seien, fühlte ich mich tief verletzt und weinte. So etwas konnte ich nicht verstehen.
So wuchs der Wunsch, einmal in Übersee zu leben, ganz langsam in mir. Meine Eltern behaupteten aber immer wieder, um mich von diesem Gedanken abzubringen: „Du kannst nie ins Ausland, weil du keine Sprachen kannst“. Als ich dann nach der Kindergärtnerinnenausbildung noch die Krankenschwester drauf setzte, kam die neu gegründete Schwesternschaft in Ludwigshafen in mein Blickfeld. Da kam ich dann gewaltig durcheinander: was sollte ich wählen? Schwesterwerden oder Missionarin, beides geht ja wohl nicht! So dachte ich, bis mir Mutter Bangel erklärte, dass ich zuerst meinen Stand klären solle und erst danach die spezielle Berufung für diesen oder jenen Dienst in den Blick kommt. Nun, dann wähle ich den Ledigenstand und trete in die Bruderschaft ein. Einige Jahre vergaß ich meinen Wunsch, nach Afrika zu gehen. Das Leben war ohnehin sehr abwechslungsreich und vielschichtig im Aufbau von Gnadenthal und den ersten Außenkommunitäten. Aber eines Tages kam dieses Thema auch in der Bruderschaft wieder. Die Verantwortlichen suchten einen Ort, wo wir in Afrika leben könnten und wurden durch viele Hinweise dann auf Makak aufmerksam. So bereiteten wir 3 Schwestern und 3 Brüder uns langsam auf eine Ausreise im März 1974 vor.
Als ich dann in den 80iger Jahren hier in Makak mich für die Geschichte unserer Gemeinde interessierte, gab mir unser damaliger Pastor eine alte Heftseite, auf der von den Anfängen unserer Nkongi-Gemeinde berichtet war: um das Jahr 1926 kam der erste amerikanische Missionar mit seinem Evangelisten Paul Njocky, einem Kameruner, hierher und sie erbaten ein Stück Land auf dem die am Evangelium Interessierten eine kleine Kapelle bauen konnten. Die beiden Wanderer zogen nach einiger Zeit weiter und schickten später einen Kathechisten nach Makak. Ab dann kam etwa alle 3-4 Monate ein Missionar auf seiner Tournee zu Fuß vorbei und sprach mit den Taufanwärtern, die regelmäßig am Mittwochnachmittag zum Unterricht kommen mussten. So entstand langsam die Gemeinde Nkongi von Makak als Erste der Region. Bald wurde eine Schule gebaut und ein Haus für den Pfarrer. Als wir 1974 kamen, war der Kirchenbau schon 5 Jahre fertig und die Gemeinde zusammen mit ihren 14 Außenstationen, in den Dörfern bis zu 45 km entfernt, hatte etwa 300 Mitglieder.
Als ich auf diesem alten Blatt den Namen Paul Njocky las, wurde mein Herz plötzlich warm, und ich erinnerte mich langsam, dass er als alter weißhaariger Mann bei uns im Kindergottesdienst war. Hatte ich damals ganz still und verborgen so etwas wie einen Ruf nach Makak in diese spezielle Arbeit bekommen?
Unser Pfarrer hatte mich 1979, nachdem wir die Sprache Basaa einigermaßen sprachen, für den Kindergottesdienst in unserer Gemeinde eingeteilt und bald weitete sich diese Arbeit, die wir mit selbstgemachten Flanellbildern begannen, in das ganze Dekanat aus. Seit 1991 halten wir für Helfer aus unserer EPC und auch Schwesterkirchen Schulungen ab, die diese Methode in 8-tägigen Seminaren erlernen.


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Sr. Gisela Bühler

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