Pressespiegel:

„Textile Momente“

„Textile Momente“ ist der Titel einer Ausstellung mit neuen Werken der Lanhquilterinnen Limburg, die in der Galerie Kloster Gnadenthal noch bis Sonntag, 23. August, zu sehen ist. Den Besucher erwarten wunderschöne Quilts, Kleinode der textilen Kunst mit einer Vielfalt an Techniken sowie faszinierende Muster und Motive – auch für Kinder.

Es ist die erste kulturelle Veranstaltung seit dem Corona-Lockdown im März, zu der die Jesus-Bruderschaft wieder eingeladen hat – ohne Vernissage, mit Abstand und unter Einhaltung der Hygieneregeln. Ein erster Versuch. Alle Lahnquilterinnen waren am Wochenende vor Ort, um mit den Besuchern auch ins Gespräch zu kommen – insbesondere draußen im Freien, um so wenig Risiken wie möglich einzugehen und doch mit den Besuchern in einer schönen Atmosphäre zu plaudern. Und dies gelang bei sonnigem Wetter vor der malerischen Kulisse auf dem Gnadenthaler Dorfplatz und natürlich mit begrenzter Besucherzahl auch direkt in der Galerie.
Mehr als 150 Besucher haben die Werke bereits bestaunt und gewürdigt, darunter auch Kinder. Zu sehen sind aufwändig gearbeitete Quilts, textile Bilder, die den Betrachter in ihren Bann ziehen, das Auge zum Verweilen einladen, zum Raten und zum Schmunzeln. Denn diesmal zeigen die Lahnquilterinnen neben traditionellen Quiltmustern auch wunderschöne Märchenquilts mit phantastischen Motiven – eine Ausstellung für die ganze Familie sozusagen. Mit tollen Ideen haben die Künstlerinnen verschiedene Märchen in Szene gesetzt. Groß und Klein, Jung und Alt kann sich hier auf unterhaltsame Weise verführen lassen. Darüber hinaus gibt es auch klassische und traditionelle Muster und Designs.
Blickfang im Ausstellungsraum ist eine textile Installation auf Plexiglas von Yvonne Pfeiffer mit dem Titel „Dynamische Strukturen“. „Die Scheibe, Symbol der Erde, ist Trägerin der ältesten Lebewesen überhaupt, der Moose, Farne und Bäume, deren genetische Merkmale bis heute unverändert sind“, so die Künstlerin. „Die Farbe Weiß habe ich gewählt als Herausforderung, die den Sehnerv reizt und uns als Nichtfarbe dennoch eindeutige Bilder und Strukturen sehen lässt.“ Die Installation hat sie aus Stoffstreifen zu Baumscheiben gesteckt und gefaltet – zu Strukturen moosartiger Oberflächen und Sporen. Zusammengehalten wird das Ganze mit rund 16 000 Nadeln. „Ich wollte das Unsichtbare, die verwendeten Nadeln, sichtbar machen, was mir durch das Röntgen eines Teils der Installation gelungen ist.“ Die Röntgenaufnahme zeigt das Innenleben der mit unzähligen Stecknadeln zusammengefügten, großen, linken Baumscheibe.
Die Lahnquilterinnen – das sind Helga Grünig, Claudia Bantel, Ursula Hötterges, Yvonne Pfeiffer, Monika Holl, Yvonne Swoboda und Kordula Schmidt-Norman. Gern kommen sie mit den Besuchern ins Gespräch, erzählen von ihren Ideen und Träumen aus Stoff und wie sie diese umsetzen. „Ich arbeite am liebsten mit handgefärbten Stoffen“, so Helga Grünig. „Meine Ideen finde ich in der Natur und in Ausstellungen. Je nach Stimmung arbeite ich gern spontan. Am liebsten gestalte ich in freier Technik, manchmal auch traditionell wie Log Cabin oder Bargello.“ „Es ist immer wieder spannend, dem Stoff Raum zu geben“, sagt Ursula Hötterges. „Oft bin ich erstaunt, was dabei herauskommt. Yvonne Pfeiffer, unsere Leiterin, hat mir viele Varianten der Textilkunst vermittelt.“ „Mein erster Quilt war ein Sampler“, sagt Monika Holl. „Traditionelle Muster, Hexagonmuster, Applikationen waren viele Jahre meine bevorzugten Nähtechniken. Bis vor etwa vier Jahren habe ich mich neuen Herausforderungen gestellt. Dem tradionellen Nähen habe ich etwas abgeschworen. Durch eigenes Erstellen von Entwürfen musste ich erst einmal umdenken, was mich manchmal zur Verzweifelung brachte, mir aber trotzdem Freude bereitete. Es ist schön, mit Farben und Mustern zu spielen, ständig Neues auszuprobieren und den Prozess der Umsetzung einer Idee zum fertigen Quilt zu verfolgen. Der Austausch mit anderen Näh-Begeisterten ist mir dabei sehr wichtig. Durch Patchworken kann ich mich sehr gut entspannen, tauche in die Vielzahl der Farbmöglichkeiten ein und drifte in eine andere Welt. Das ist für mich Entspannung pur.“
Claudia Bantel hat einige Patchwork- und Quiltkurse in Deutschland und den Niederlanden besucht. „Meist bilde ich mich aber durch Onlinekurse in den USA weiter“, sagt sie. „Meine Arbeiten entstehen aus der Lust am Umsetzen einer Anleitung oder einer Idee. Sie sind Grundlage für das Quilten mit der Longarmmaschine, mit der ich die aufwändigen Quiltmuster gestalten kann. Freies Quilten in Kombination mit speziellen Linealen ist meine große Leidenschaft.“
Lächelnd erzählt Yvonne Swoboda: „Ein Mustermix-Quilt war mein Erstlingswerk im Jahr 2008, der auch direkt nach Anmeldung bei den Lahnquilterinnen in der ersten Ausstellung im Jahr 2008 in Blumenrod gezeigt wurde. Seit dieser Zeit bin ich Mitglied in dieser tollen Gemeinschaft. Der Input und die vielen Ideen, die in der Gruppe entstehen, sind sehr vielfältig.“ Ihr aktuelles Projekt in dieser Ausstellung ist ein Märchenquilt. Hier wurden verschiedenste Materialien verarbeitet, auch atypisches Fremdmaterial, außerdem Applikationen, Stoffmalerei, Maschinenstickerei auf handgefärbten Stoffen sowie Seide.

Die Lahnquilterinnen treffen sich an jedem ersten und dritten Mittwoch eines jeden Monats in der Seniorenresidenz Breites Driesch und zwei Mal im Jahr für ein ganzes Wochenende. Auch die Fortbildung kommt nicht zu kurz: „Wir laden namhafte Textilkünstlerinnen zu uns ein, um neue Techniken kennenzulernen oder fahren zu ihnen hin“, so Helga Grünig. Wer bei den Lahnquilterinnen vorbeischauen möchte, ist willkommen. Kontakt: Yvonne Pfeiffer, Telefon (0 64 31) 2 62 16 47, E-Mail: E-Mail schreiben.

Was sind Quilts?

Ein Quilt ist ein textiles Kunstwerk und wird oft als Tages- oder Zierdecke, auch als Wandbild oder Wandbehang verwendet. Ein Quilt besteht aus mehreren, mindestens zwei, meistens drei Lagen Stoff: einer Schauseite, einer weichen Zwischenlage meistens aus Vlies sowie einer Quilt-Rückseite. Die Anordnung verschiedener Stoffe zu dekorativem Patchwork, ihre präzise Verarbeitung, die Kraft der Farben, stimmig kombiniert zu einem Ganzen, ziehen den Betrachter an. Doch was den Quilt schließlich zum Quilt macht, sind die Steppnähte, pointiert aufgebracht, traditionell von Hand, heutzutage zunehmend auch maschinell. Sie sind die handwerkliche, die künstlerische Krönung, die dem textilen Bild eine gewisse Dreidimensionalität verleiht.


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Autor*in


Gundula Stegemann

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