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Fenster nach Gnadenthal - Roos und Remi Rombouts

“Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit” Ps. 121,8

Als junges Ehepaar sind wir vor 45 Jahren, ein Jahr nach unserer Hochzeit, der Einladung und dem Ruf gefolgt, aus unserer Heimat Belgien (Flandern) in die Familien-Gemeinschaft der Jesus-Bruderschaft zu gehen. Voller Freude sind wir diesen Schritt gegangen, der für uns im Vollzug zu einem echten Schwellen-Erlebnis wurde. Wir landeten in einer anderen Sprache, in einer anderen Kultur und Denkweise und im gemeinsamen Leben. Darüber hinaus war uns als Katholiken der evangelische Zugang zum Glauben und zu Jesus neu, beglückend, aber auch manchmal fremd. Auf jeden Fall wurden wir sehr beschenkt und konnten das gemeinsame Leben mit allen Herausforderungen lieb zu gewinnen. Als Familie – wir bekamen drei Kinder – lebten wir fünf Jahre in Bad Camberg und danach in Gnadenthal, wo wir öfter umgezogen sind. Immer wieder waren kleine Schwellen zu bewältigen. Das hat uns geholfen beweglich zu bleiben.
Der Schritt nach Latrun in 2006 brauchte eine längere Zeit des gemeinsamen Prüfens mit den Geschwistern. Nicht nur von ihnen, sondern auch von unseren Kindern mussten wir uns verabschieden. Das war ein echtes Loslassen. Unsere älteste Tochter folgte ihren Ruf in die Gemeinschaft Chemin Neuf, unsere zweite Tochter war schon verheiratet und unser Sohn war im Studium.
Der Anfang in Latrun war erneut ein echtes Schwellen-Erlebnis. Schon am ersten Tag in Latrun hörten wir Hebräisch, Russisch, Arabisch und Englisch. Es war gewöhnungsbedürftig die nächsten Mitarbeiter in der Küche miteinander sprechen zu hören und nichts zu verstehen. Im Kloster nebenan durften wir bis zum Anfang der Pandemie an einem Hebräischkurs teilnehmen. Das Erlernen dieser Landessprache hat uns sehr geholfen für unser Leben in Latrun und in Israel. Das tägliche Arbeiten und Leben mit Menschen aus verschiedenen Kulturen – in unserem Team waren Menschen aus jüdischen, arabischen, russischen und äthiopischen Hintergrund – ist eine große Bereicherung, ist aber für uns eine beachtliche Herausforderung geblieben. Jede Kultur hat ihre eigene verborgene Logik. Da muss das Herz weit werden, und die Liebe hat ein Übungsfeld sich zu bewähren.
Unser letztes Schwellenerlebnis liegt erst ein paar Monaten hinter uns, besser gesagt, wir sind noch mittendrin. Nach 15 Jahre Latrun sind wir am 4. November 2021 erneut nach Gnadenthal aufgebrochen. Es war uns ein großes Anliegen neben den Teammitgliedern auch den vielen Menschen in Israel, die uns zu Freunden geworden waren, noch einmal zu begegnen. Wir besuchten manche von ihnen in Galiläa und in Jerusalem, andere kamen nach Latrun. In diesen Begegnungen erlebten wir gemeinsam Freude, Dankbarkeit und Lob an Gott für sein Handeln in unserem Leben. Wir beteten um seinen Segen für unsere jeweilige Zukunft. Die ganze Abschiedsphase hat uns sehr berührt und gestärkt für den großen Schritt in den neuen Lebensabschnitt.
Unsere Geschwister in Gnadenthal empfingen uns mit vielen Liebeszeichen: ein schöner Wohnraum, ein gefüllter Kühlschrank, Willkommenskarten und Blumen und Hilfe beim Umziehen. Wir sind noch dran, hier ganz an zu kommen. Wir spüren eine Erleichterung von der Mühe, die es manchmal kostete uns in der Sprachen- und Kulturvielfalt zu bewegen und doch vermissen wir gleichzeitig dieses bunte Lebensgefühl.
In Allem überwiegt eine große Dankbarkeit über den Weg, den Gott uns bis jetzt geführt hat und wie er uns in diesen „Ausgängen und Eingängen“ gesegnet hat.


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