Portrait:

Familiengemeinschaft

„Alles, was ihr tut, das tut von Herzen für den Herrn und nicht den Menschen“ (Kol. 3,14). Dieses Wort begleitet mich durch meine ganzen Bruderschaftsjahre. Eigentlich denke ich nicht viel über dieses Wort nach, ich tue es einfach.

Über 45 Jahre lebe ich in der Familiengemeinschaft der Jesus-Bruderschaft. Da ich kein ängstlicher Mensch bin, lasse ich mich gern zu Neuem herausfordern und einbinden. Wenn die anderen es mir zutrauen, warum nicht? So fing es mit der Hauswirtschaft an, mit Begleitung von Mitlebenden, im Haus der Stille und in der Buchhandlung oder auch, um Gästegruppen durch Gnadenthal zu führen.

Vor acht Jahren kam eine außergewöhnliche Herausforderung: meine Tochter, die mit ihrer Familie in den USA lebt, bat mich, ihnen zu helfen, da sie die einmalige Chance bekam, noch ihren Master zu machen. Aber die Uni war vier Autostunden von ihrem Wohnort entfernt, und ihr Mann wurde zur gleichen Zeit nach Deutschland versetzt. Hier in Gnadenthal ermutigte man mich, es wäre dran, in dieser Situation zu helfen. Diese Herausforderung war wohl die schwerste in meinem Leben: Ich sprach kein Englisch, dazu die mir so fremde Kultur, und dann den Kindern Vater und Mutter sein. Auch wenn meine Tochter am Wochenende kam, so mussten wir doch die nächste Woche planen, einkaufen, organisieren … und ich mit meinem gebrochenen Englisch!

Mein siebenjähriger Enkel kam immer mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern von der Schule nach Hause: Alles ist blöd und langweilig. Meine dreijährige Enkelin hatte keine Lust zu laufen, ich musste aber mit unserem großen Hund einige Runden laufen; schlussendlich zog der Hund mich mit der Sportkarre, in der meine Enkelin saß und sich wohlfühlte. Nach einem Jahr sah es so aus: Mein Enkel bekam zum Schulabschluss die höchste Auszeichnung als Schulbester, meine Enkelin lernte mit Inlinern laufen und sich auch vom Hund mitziehen zu lassen.

Meine 15-jährige Enkelin war in allem meine große Hilfe und Übersetzerin. Rückblickend kann ich nur staunen: Vater im Himmel, was hast Du geschafft!
Mit diesen Auslandserfahrungen ging es dann weiter nach Israel. Ein halbes Jahr lang unterstützte ich dort in Latrun die Lebensgemeinschaft. Gebet, Arbeit, Gemeinschaft war nun für mich Kontrastprogramm zu meinen familiären Erfahrungen, es erneuerte und bereicherte mein inneres Leben mit Gott:

Einatmen – ausatmen.
Ruhen und arbeiten.
Sich sammeln und sich ausrichten.
Sich wiederfinden in Gottes Nähe.

Das alles hilft mir, ganz da zu sein, wo ich gerade bin.

Und jetzt bin ich gerade im Pavillon, wo ich gerne arbeite, und sehe einen Jungen mit seinen Eltern schüchtern an der Kaffeemaschine. Mit Hilfesuchenden komme ich gern ins Gespräch und erfahre von dem strahlenden Jungen: Er war mit seiner Klasse im Nehemia-Hof und muss jetzt unbedingt seinen Eltern diesen Ort zeigen. Anschließend höre ich von einem anderen Kaffeekunden, dass er auf der Durchreise ist und gerne hier für eine Atempause anhält. Immer wieder gibt es nette Begegnungen an diesem Ort.

Alles, was ich tue, und egal, wo ich gerade bin, das will ich ganz dem Herrn tun.
Manchmal werde ich gefragt: „Und wann gehst du wieder in die USA?“ Dann antworte ich: „Ich bin jetzt ganz hier, aber offen und bereit, zu gehen, wenn man mich ruft.“

Christa Möller


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